Aus dem Gemeindeleben

Loslassen und frei sein

28. April 2016   I   Kerstin Wirth

Über einhundert Frauen hatten sich am 23. April zum Frauenfrühstück ins Hotel Hohenzollern in Schleswig einladen lassen. Petra Hinz aus Elmshorn sprach zum Thema: Loslassen und frei sein. Vor und nach dem leckeren Frühstück stimmte Angela Hoeck, am Klavier begleitet von Andreas Jäger, Lieder zum Nachdenken und Genießen an. Zu Beginn des Referates erzählte Petra Hinz die Geschichte eines Schiffbrüchigen, dessen Hütte inklusive Hab und Gut auf seiner einsamen Insel in Flammen aufging. Was ihm anfangs ein großer Verlust zu sein schien, war letztendlich seine Rettung. Das große Feuer war entdeckt worden und Hilfe kam. So kann Verlust/Loslassen zum Gewinn werden.

 

Was das konkret bedeuten kann, erzählte Petra Hinz offen am Beispiel ihrer eigenen Lebensgeschichte. Statt im September 1988 bei der Fertigstellung ihres Eigenheimes mitzuwirken, musste sie als Mutter von drei Kindern ins Krankenhaus mit Verdacht auf eine Eileiterschwangerschaft. Kurz vor ihrer Entlassung kam es zu einer Notoperation, die sie nur überlebte, weil sie noch im Krankenhaus war.

 

Hier wurde Petra Hinz klar vor Augen gestellt, dass sie letzten Endes nichts mitnehmen kann. Loslassen musste sie das Mitplanen, die Schwangerschaft, fast ihr Leben und noch ein halbes Jahr lang war sie zum absoluten Nichtstun verurteilt. Durch Psalm 50 Vers 23: „Wer Dank opfert, der preiset mich, und da ist der Weg, dass ich ihm zeige das Heil Gottes“, sprach Gott die Referentin darauf an, dass sie in alle dem danken solle. Entgegen ihrem Gefühl war sie gehorsam und erlebte eine innere Veränderung, die sie selbst sehr erstaunte.

 

Da jeder Europäer ca. zehntausend Dinge sein Eigen nennt, die nicht nur Schränke sondern auch Köpfe füllen, ist ein Hinterfragen der Notwendigkeit sinnvoll. Wieder wurde Petra Hinz persönlich und nahm die Zuhörerinnen mit in eine Aufräumaktion ihres Büros. Fragen nach Gebrauch, Notwendigkeit oder der letzten Nutzung (liegt sie vielleicht schon fünf Jahre zurück?) können da sehr hilfreich sein. Loslassen hat auch hier einen befreienden Charakter.

 

"Alle eure Sorge werft auf ihn, er sorgt für euch."

 

Ganz schwer wird es aber, wenn wir uns von Menschen lösen müssen: Kinder in die Selbstständigkeit gehen zu lassen und ihre Entscheidungen zu akzeptieren. Es auszuhalten, auch wenn es in unseren Augen ungute Wege sind. Als Beispiel erzählte die Referentin aus den Teenietagen ihrer Tochter. In ihrem Freundeskreis hatten Alkohol und Drogen eine Rolle gespielt. Neben der Erfahrung, sie nicht zwingen zu können und dem glaubhaftem Vorleben der eigenen Ideale, erlebte Petra Hinz auch hier die Zusagen Gottes. „Alle eure Sorge werft auf ihn, er sorgt für euch.“ So wurde ihr Petrus 5, Vers 7 zum Anker.

 

Und auch im Heranwachsen der Kinder entstehen neue Möglichkeiten. Zimmer werden frei. Das Ehepaar Hinz vermietet nun immer eines an einen Studenten.

 

Auch beim Tod eines geliebten Menschen gilt es loszulassen. Im Alter ist da der Verlust von Gesundheit, Wohnung, Selbstständigkeit, Partner, Erinnerungsvermögen und anderem. Wer dann in Dankbarkeit auf das Gewesene und die jetzigen Möglichkeiten blicken kann, hat viel gewonnen.

 

„Von allen Seiten umgibst du mich“, heißt es in Psalm 139. Gott ist der Beständige. Er bleibt. Ihn dürfen wir festhalten und in Vers 13 sagt er jedem von uns zu, dass wir wunderbar gemacht sind. Weil Gott mich so liebt, wie ich bin, kann ich mich auch selbst lieben. Mit dieser Gewissheit kann ich mich selbst annehmen, wie ich bin. Dieses Fundament hilft mir meine Unzulänglichkeiten, Vergangenheit, Verbitterungen, Verletzungen, Zorn etc. getrost bei ihm abzuladen und so Veränderungen herbeizuführen. Ich brauche nichts mehr anderen nachzutragen, nicht nachtragend sein. Indem ich dem an mir schuldig gewordenen Menschen Vergebung zuspreche, werde ich selbst frei und Gott hat Zutritt zu mir, zu meinem Herzen.                                                                                                                                      

Ein reichhaltiges Frühstücksbüfett erwartet die Teilnehmerinnen.

Petra Hinz aus Elmshorn

Angela Hoeck und Ingrid Schirmacher

(Leiterin des Frauenfrühstücks)

Gemeinschaft in der Evangelischen Kirche - Schulberg 13 - 24837 Schleswig